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Tag Archives: reifere

Premiere der „Kalendergirls“ auf der Freilichtbühne – Wenn reifere Damen Haut zeigen

23. Januar 2017

Witzig, britisch, ein bisschen frivol und durchaus ernst: Die Komödie „Kalender Girls“ begeisterte bei der Premiere im Spielerheim der Freilichtbühne.

John mochte Sonnenblumen sehr gerne. „Wo auch immer Licht ist, diese Blumen werden es finden“, schreibt er, als er schon sterbenskrank ist. Und bilanziert: „Eine Lebenslehre.“ Das Rollstuhl-Rennen der Kranken hat er noch gewonnen: „Bergauf war‘s nicht so gut, aber bergab ging‘s in acht Sekunden!“ Einer jedoch ist noch schneller: der Krebs. Da hilft kein Optimismus, keine klugen Worte, kein Galgenhumor. Es gibt Filme, die jetzt zu Ende wären. Düstere Filme. „Calendar Girls“ nicht. Die bekannte britische Komödie ist eine Geschichte von Liebe, Freundschaft und Engagement – und von sechs Frauen, die zwar nicht dem Tod, aber doch zumindest dem Vergessen die Stirn bieten.

Viola und Neele Niepel haben die gleichermaßen ulkige wie rührende Story jetzt auf die Freilichtbühne gebracht: Am Samstagabend feierte das Stück im pickepackevollen Spielerheim Premiere. Mit Momenten zum Nachdenken, jeder Menge britischem Humor – und mit famosen „Kalender Girls„. Chris (Stephanie Krause), Celia (Ulrike Erdmann), Jessie (Marjorie Hagenbeck), Ruth (Christiane Meinecke), Cora (Mariele Albermann) und Annie (Cathrin Herkt) bilden den liebenswert-chaotischen Frauenclub, der sich neckt, anzickt, manchmal gemeinsam langweilt – aber sich eigentlich doch sehr lieb hat. Und: sich für die gute Sache einsetzt. Marmelade kochen, irgendwelchen Krimskrams basteln, verkleidet „God save the Queen“ singen – abstrus und einfach saukomisch. Als John (Fiet Krause), Annies Mann, stirbt, ist zwar eigentlich nichts mehr wie vorher – bald aber doch vieles wie immer. Die Mädels wollen wieder helfen und John ein Denkmal setzen. Das „John-Clarke-Gedächtnis-Sofa“, die Couch für die wartenden Angehörigen in der Klinik, in der John behandelt wurde.

 

„Nacktes Fleisch verkauft sich gut“

Doch sowas kostet. So viel, dass es diesmal einen richtig absurden Plan braucht: „Nacktes Fleisch verkauft sich gut“, meint Chris. Die Idee? Ein Akt-Kalender! Nicht ganz nackt, aber doch schon ziemlich: „Nur Andeutungen . . .“, verspricht Chris ihren davon anfangs unterschiedlich begeisterten Freundinnen. Doch sie machen Ernst: „Ich bin 48 – wenn ich sie jetzt nicht auspacke, wann dann?!“, fragt Cora, Pfarrers-Tochter (!) im Motörhead-Shirt.

Bald schon ist Foto-Shooting. Ein Highlight der Inszenierung, von den Zuschauern natürlich mit Spannung erwartet. Die Schauspielerinnen ziehen für ihre Rolle tatsächlich blank – allerdings nicht stumpf, sondern mit Stil: Andeutungen eben, verdeckt mit Haushaltsgeräten, Blümchen und Küchenbedarf. Lambert Albermann, sowohl im Stück als auch im richtigen Leben der Fotograf, erzählt von den alles andere als alltäglichen Aufnahmen: „Wir haben das so lange geprobt und immer wieder neu fotografiert, bis wirklich jede zufrieden war und ihr Okay gegeben hat.“

Die „Kalender Girls“ jedenfalls avancieren zum Kassenschlager: Fanpost, die internationale Presse auf der Matte – und so viel Kohle, dass man davon locker tausend Sofas kaufen könnte. Doch genau das gerät zum Problem: Geht es hier noch um den guten Zweck? Um John? Oder nicht vielmehr um die plötzliche Berühmtheit? Als Chris einen obskuren Waschmittel-Werbe-Dreh („Lieber nackt als ein anderes zu benutzen!“) organisiert, schlägt Annie Alarm. Ob die verrückte Freundschaft das aushält, was die Damen mit dem vielen Geld anstellen – das rundum verzückte Publikum weiß nun Bescheid . . .

Quelle: WN.de

 

Premiere der „Kalendergirls“ auf der Freilichtbühne – Wenn reifere Damen Haut zeigen

23. Januar 2017

Witzig, britisch, ein bisschen frivol und durchaus ernst: Die Komödie „Kalender Girls“ begeisterte bei der Premiere im Spielerheim der Freilichtbühne.

John mochte Sonnenblumen sehr gerne. „Wo auch immer Licht ist, diese Blumen werden es finden“, schreibt er, als er schon sterbenskrank ist. Und bilanziert: „Eine Lebenslehre.“ Das Rollstuhl-Rennen der Kranken hat er noch gewonnen: „Bergauf war‘s nicht so gut, aber bergab ging‘s in acht Sekunden!“ Einer jedoch ist noch schneller: der Krebs. Da hilft kein Optimismus, keine klugen Worte, kein Galgenhumor. Es gibt Filme, die jetzt zu Ende wären. Düstere Filme. „Calendar Girls“ nicht. Die bekannte britische Komödie ist eine Geschichte von Liebe, Freundschaft und Engagement – und von sechs Frauen, die zwar nicht dem Tod, aber doch zumindest dem Vergessen die Stirn bieten.

Viola und Neele Niepel haben die gleichermaßen ulkige wie rührende Story jetzt auf die Freilichtbühne gebracht: Am Samstagabend feierte das Stück im pickepackevollen Spielerheim Premiere. Mit Momenten zum Nachdenken, jeder Menge britischem Humor – und mit famosen „Kalender Girls„. Chris (Stephanie Krause), Celia (Ulrike Erdmann), Jessie (Marjorie Hagenbeck), Ruth (Christiane Meinecke), Cora (Mariele Albermann) und Annie (Cathrin Herkt) bilden den liebenswert-chaotischen Frauenclub, der sich neckt, anzickt, manchmal gemeinsam langweilt – aber sich eigentlich doch sehr lieb hat. Und: sich für die gute Sache einsetzt. Marmelade kochen, irgendwelchen Krimskrams basteln, verkleidet „God save the Queen“ singen – abstrus und einfach saukomisch. Als John (Fiet Krause), Annies Mann, stirbt, ist zwar eigentlich nichts mehr wie vorher – bald aber doch vieles wie immer. Die Mädels wollen wieder helfen und John ein Denkmal setzen. Das „John-Clarke-Gedächtnis-Sofa“, die Couch für die wartenden Angehörigen in der Klinik, in der John behandelt wurde.

 

„Nacktes Fleisch verkauft sich gut“

Doch sowas kostet. So viel, dass es diesmal einen richtig absurden Plan braucht: „Nacktes Fleisch verkauft sich gut“, meint Chris. Die Idee? Ein Akt-Kalender! Nicht ganz nackt, aber doch schon ziemlich: „Nur Andeutungen . . .“, verspricht Chris ihren davon anfangs unterschiedlich begeisterten Freundinnen. Doch sie machen Ernst: „Ich bin 48 – wenn ich sie jetzt nicht auspacke, wann dann?!“, fragt Cora, Pfarrers-Tochter (!) im Motörhead-Shirt.

Bald schon ist Foto-Shooting. Ein Highlight der Inszenierung, von den Zuschauern natürlich mit Spannung erwartet. Die Schauspielerinnen ziehen für ihre Rolle tatsächlich blank – allerdings nicht stumpf, sondern mit Stil: Andeutungen eben, verdeckt mit Haushaltsgeräten, Blümchen und Küchenbedarf. Lambert Albermann, sowohl im Stück als auch im richtigen Leben der Fotograf, erzählt von den alles andere als alltäglichen Aufnahmen: „Wir haben das so lange geprobt und immer wieder neu fotografiert, bis wirklich jede zufrieden war und ihr Okay gegeben hat.“

Die „Kalender Girls“ jedenfalls avancieren zum Kassenschlager: Fanpost, die internationale Presse auf der Matte – und so viel Kohle, dass man davon locker tausend Sofas kaufen könnte. Doch genau das gerät zum Problem: Geht es hier noch um den guten Zweck? Um John? Oder nicht vielmehr um die plötzliche Berühmtheit? Als Chris einen obskuren Waschmittel-Werbe-Dreh („Lieber nackt als ein anderes zu benutzen!“) organisiert, schlägt Annie Alarm. Ob die verrückte Freundschaft das aushält, was die Damen mit dem vielen Geld anstellen – das rundum verzückte Publikum weiß nun Bescheid . . .

Quelle: WN.de