Back to Top


Das Tagebuch der Anne Frank




Das Tagebuch der Anne Frank



Saison: 1991

Zu ihrem 13. Geburtstag erhielt Anne Frank am 12. Juni 1942 ein kleines Notizbuch, das sie ihrem Vater einige Tage zuvor in einem Schaufenster gezeigt hatte. Obwohl das in rotweißen Stoff eingebundene und mit einem kleinen Schloss an der Vorderseite versehene Buch eigentlich als Poesiealbum gedacht war, nutzte Anne es als Tagebuch. Nach einer kurzen Einleitung am 12. Juni begann sie zwei Tage nach ihrem Geburtstag mit den ersten Einträgen, in denen sie sich selbst, ihre Familie und Freunde, ihren Schulalltag und bevorzugte Plätze in der Nachbarschaft beschrieb. Neben diesen Bemerkungen über ihr privates Leben äußerte sie sich – mehr oder weniger nebenbei – auch zu den Veränderungen, die den in die Niederlande geflohenen deutschen Juden das Leben zunehmend erschwerten. Sie schrieb über den Judenstern, den Juden in der Öffentlichkeit tragen mussten, und andere Beschränkungen, denen sie während der deutschen Besetzung unterworfen waren.

Besondere Bedeutung erlangte das Tagebuch ab dem 6. Juli 1942, an dem sich die Familie Frank in das Hinterhaus in der Prinsengracht 263 zurückzog, wo Otto Frank zuvor die niederländische Niederlassung der Firma Opekta leitete. Je länger der Aufenthalt im Versteck dauerte, desto angespannter wurde die Situation. Die Langeweile des Alltags und die Einschränkungen verursachten immer intensivere Konflikte untereinander. Da Anne nun keinen Kontakt zu ihren eigentlichen Freunden haben durfte, entwickelte sich das Tagebuch als Medium, dem sie alles anvertrauen konnte, zu ihrer wichtigsten Begleitung in der schweren Zeit.

Ab Ende September schrieb sie ihre Einträge in Briefform. Sie adressierte ihre Gedanken an verschiedene Mädchennamen (Kitty, Conny, Emmy, Pop und Marianne)[4], die sie aus dem beliebten Fortsetzungsroman Joop ter Heul von Cissy van Marxveldt kannte. Die Heldin dieser Geschichten, die eigenwillige Joop, verfasst auch ein Tagebuch und erzählt ihren Freundinnen von ihren Sorgen und Liebesbeziehungen.

Zunächst schrieb Anne über diverse Erlebnisse in ihrem ungewöhnlichen Alltag – die Enge des Verstecks, schöne Überraschungen wie beim Chanukka-Fest und die Konflikte mit den Mitbewohnern, vor allem mit Fritz Pfeffer und ihrer Mutter. Sie fühlte sich oft missverstanden, wenn die anderen sie als vorlaut und unbescheiden kritisierten. In der überarbeiteten Einleitung brachte sie ihren Wunsch nach einem wahren Freund zum Ausdruck, einer Person, der sie ihre intimsten Gedanken und Gefühle anvertrauen könnte. Sie stellte fest, dass sie mehrere „Freunde“ und ebenso viele Verehrer habe, aber (nach ihrer eigenen Definition) keinen echten Freund. Jacqueline van Maarsen konnte diesen Anspruch nur teilweise erfüllen. Helmut Silberberg hätte vielleicht solch ein Freund werden können, auch wenn sie eine Liebesbeziehung zu ihm leugnete. So blieb ihr Tagebuch der engste Vertraute. In den Einträgen kann man nachvollziehen, wie Anne ihre eigene Sexualität entdeckt und aufkeimende Gefühle der Liebe zu Peter van Pels beschreibt; der zuvor kritisierte Mitbewohner enttäuschte sie jedoch. Während der 25 Monate im Versteck vertraute sie dem Tagebuch alle Ängste und Hoffnungen an. So wird deutlich, wie das Mädchen, das sich manchmal in seinen Träumen verlor, zu innerer Festigkeit heranreifte.

Anne zeigte schon früh ein ausgeprägtes Interesse am Lesen und Schreiben, das ihr Vater förderte. Während des Aufenthalts im Hinterhaus las sie zahlreiche Bücher, wodurch sie ihre literarischen Kenntnisse und ihre schriftstellerischen Fertigkeiten stetig verbesserte. Mit der Zeit wurden ihre Tagebucheinträge komplexer, und sie äußerte sich auch zu abstrakten und schwierigen Themen wie zum Beispiel dem Glauben an Gott. Sie sprach davon, einmal als Schriftstellerin berühmt werden zu wollen. Neben ihrem Tagebuch begann sie, andere literarische Werke zu schreiben, deren Qualität für ihr junges Alter als überdurchschnittlich eingeschätzt wird.

Anne begann ihr Tagebuch als privaten Ausdruck ihrer Gedanken und Gefühle, die keiner lesen durfte, wie sie mehrmals betonte. Am 29. März 1944 änderte sie ihren Plan jedoch. Bei Radio Oranje hörte sie, wie Gerrit Bolkestein, der Minister für Bildung, Kunst und Wissenschaft in der niederländischen Exilregierung, davon sprach, dass er nach dem Kriegsende die Unterdrückung der Niederländer unter deutscher Besatzung öffentlich dokumentieren wolle. Dazu sollte möglichst viel alltägliches Material – Briefe, Tagebücher etc. – beitragen. Anne gefiel diese Idee, weshalb sie ihr Tagebuch für eine Veröffentlichung vorbereitete. Im Mai begann sie, ihre Einträge zu überarbeiten. Sie entfernte und veränderte einige Abschnitte, die ihrer Meinung nach uninteressant oder zu intim für die Öffentlichkeit waren. Außerdem adressierte sie nun alle Einträge einheitlich an ihre imaginäre Freundin Kitty, die seit den Einträgen des zweiten Teils, also seit November 1942, ihre Ansprechpartnerin war.

Zur Identität dieser Kitty gab es viele Mutmaßungen. 1986 schrieb der Kritiker Sietse van der Hoech, dass der Name sich auf Kitty Egyedi, eine Freundin der Franks aus Vorkriegszeiten, beziehe. Er könnte seine Informationen aus der 1970 von der Anne Frank Foundation veröffentlichten Schrift A Tribute to Anne Frank haben, in deren Vorwort der damalige Vorsitzende Henri van Praag ein reales Vorbild für diesen Charakter vermutete und dies durch ein Gruppenfoto untermauerte, auf dem Anne mit Sanne Ledermann, Hannah Pick-Goslar und Kitty Egyedi zu sehen war. Anne erwähnte diese reale Kitty jedoch nie in ihren Aufzeichnungen. Das einzige Mädchen aus der auf diesem oft abgedruckten Foto gezeigten Gruppe, das im Tagebuch erwähnt wird, ist Mary Bos, von deren Zeichnungen Anne 1944 träumte. Der einzige vergleichbare Fall von nicht aufgegebenen Briefen, die Anne an eine wirkliche Freundin schrieb, waren zwei Abschiedsbriefe an Jacqueline van Maarsen vom September 1942.

Um die Anonymität der Beteiligten zu wahren, dachte sich Anne für alle Bewohner des Hinterhauses Pseudonyme aus. So wurde aus der Familie van Pels – Peter van Pels, Auguste van Pels und Hermann van Pels – die Familie van Daan, und Fritz Pfeffer nannte sie – aus Ärger über die Störung ihrer Privatsphäre durch den Zahnarzt – Albert Dussel. Für ihre eigene Familie plante sie die Pseudonyme van Aulis oder Robin, die jedoch später keine Verwendung fanden.



Mitwirkende:
Miriam Albermann als Anne Frank
Miriam Albermann: Anne Frank
Profil von Miriam Albermann


Kurz-URL dieser Seite:
https://s.reckenfeld-freilichtbuehne.de/lFSRv
Gebe diese URL an Freunde & Bekannte weiter, z.B. via eMail oder in sozialen Netzwerken.



Gallerie:

{"slide_to_show":"1","slide_to_scroll":"1","autoplay":"true","autoplay_speed":"3000","speed":"300","arrows":"true","dots":"false"}