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Die Lagerfelds von der Reckenfelder Freilichtbühne




Die Näherinnen verbringen unzählige Stunden in der Schneiderei.

30. Dezember 2008

„Wenn Freunde und Bekannte mich treffen wollen, dann wissen sie schon, wo sie mich finden.“ Gudrun Maslanka lacht und macht es sich bequem am großen Tisch in der Nähstube der Freilichtbühne Reckenfeld.

Ihr „zweites Zuhause“ nennt sie gerne den großen, hell erleuchteten Raum im Obergeschoss des Spielerheims. Da fühlt sie sich wohl zwischen riesigen Stoffballen in allen Farben, die an der Stirnseite lange Regelreihen zieren, und einem großen Schubladenschrank, prall gefüllt mit vielen Nähutensilien von dünnen und dicken Nadeln bis zum schönsten Knopf. „Hier habe ich schon so manche Stunde Zeit verbracht“, sagt sie, streicht lächelnd über einen zarten Chiffonstoff, und fügt ganz schnell ein „aber gerne“ hinzu. Claudia Finke , Silke Jerzinowski, Petra Niepel, Renate Mäuselwitz und Claudia Peters nicken zustimmend. Sie gehören auch zum Nähteam der Freilichtbühne Reckenfeld genau wie Ingrid Edelkötter, Anne Rehren, Ruth Becker, Katharina Gänßler und Elke Daeumer.

Was die elf Näherinnen verbindet? „Das ist der Spaß am kreativen Kostümgestalten und natürlich die nette Gesellschaft“, muss Gudrun Maslanka nicht lange überlegen. In ihren Händen liegt die Leitung der bühneneigenen Kostümnäherei. Wie lange sie das schon macht? Wieder ein Lächeln und ein bedauerndes Schulterzucken. Keine Ahnung. Gezählt hat sie die Jahre nicht. Eigentlich ist sie einfach so da „hineingewachsen“, findet Gudrun Maslanka und hat in der Näherei genau die Herausforderung gefunden, die sie sucht, denn das handwerkliche Nähen ist längst nicht alles, was die Kostümschneiderinnen leisten. Denn bis ein Kostüm das ist, was es ist, nämlich genau die passende Kleidung für den Schauspieler in einer bestimmten Rolle eines Bühnenstückes, geht’s ans Entwerfen. Das ist ein Part, den Gudrun Maslanka, die das Nähen mit 13 Jahren von ihrer Mutter erlernte, besonders liebt. „Gemeinsam mit den Spielleitern wird überlegt, welchen Charakter die Kostüme unterstreichen sollen, in welcher Zeit das Stück spielt und vieles mehr“, berichtet die „Chef-Näherin“ der Freilichtbühne, die sich nach den Gesprächen ans Entwerfen macht. Dann wird gezeichnet, verfeinert, verworfen und neu kreiert, bis genau das Kostüm entsteht, das dem Spielleiter und dem Nähteam gefällt und – mindestens genau so wichtig – in dem sich der Schauspieler wohl fühlen. „An die Spieler denken wir immer besonders“, machen Claudia Finke, Silke Jerzinowski und Renate Mäuselwitz deutlich. Kein Wunder: Gehören die Näherinnen doch gleichzeitig auch zum Ensemble der Freilichtbühne. Deshalb wissen sie: das schönste Kostüm verfehlt seine Wirkung auf den Zuschauer, wenn es dem Spieler nicht gefällt, weil’s zwickt oder die Farbe und Schnitt unvorteilhaft sind. Der schönste Lohn für die Kostümbildnerinnen sind Lob und Applaus des Publikums.

Die vorbereitenden Abstimmungen für die Kostümproduktion der nächsten Saison laufen bereits. Ab Mitte Januar surren die Nähmaschinen wieder in der Näherei der Freilichtbühne. Erst jeden Dienstagabend später kommen auch die Samstage dazu. „Dann wird von morgens 10 Uhr bis abends 18 Uhr genäht, anprobiert und geändert, bis die Nadeln heißlaufen“, lachen Claudia Finke und Renate Mäuselwitz. „Das ist aber kein Stress für uns, sondern echte Entspannung“, erklärt Gudrun Maslanka. „Schließlich gibt’s dann auch Kaffee, Brötchen und ein Mittagessen. Wir sind eine tolle Gemeinschaft.“

Beste Stimmung, in der Kreativität gedeihen kann, ist das das Geheimnis der Reckenfelder Kostümnäherinnen? „Kann schon sein“, meint die große Runde, schwört aber auf handwerkliche Präzision: „Wir sind ziemlich pingelig und arbeiten mit viel Liebe auch an Details“, sagt Gudrun Maslanka, die ausgerechnet hat, dass pro Bühnenstück zwischen 600 und 800 Meter Stoff verarbeitet werden.

Bekannt ist inzwischen auch in Fachkreisen, dass in Reckenfeld wunderbare Kostüme geschneidert werden. „Wir bekommen häufig Anfragen von anderen Bühnen, die sich dann aus unserem Fundus die Kostüme ausleihen“, weiß Claudia Peters, die ehrenamtlich das große Kostümlager der Freilichtbühne mit einigen Kolleginnen betreut. Und da hängen sie einträchtig nebeneinander an langen Kleiderstangen: Die Hexenkostüme neben den Engelsgewändern, züchtige Biedermeiermodelle neben freizügigen Ausstattungen für flotte Bardamen aus den unterschiedlichsten Bühnenproduktionen. 2500 an der Zahl: Handgenähte Stoffträume aus der Reckenfelder Nähstube.



Quelle:
WN.de: Die Lagerfelds von der Reckenfelder Freilichtbühne WN.de

Interne Infos:
Kostümschneiderei Kostümschneiderei




Gallerie:

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