Recht getan hat die Freilichtbühne, als sie „Ladies Night“ für eine weitere Spielzeit ins Programm genommen hat. Dabei brachten die Regisseure Yvonne Grüner und Patric Sohrt mit ihrer sechsköpfigen Schauspieltruppe erneut das Kunststück fertig, mit dem Stück, das sich um eine Strippertruppe dreht, zu keiner Zeit auf billiges Niveau zu fallen.

Recht getan hat die Freilichtbühne , als sie „Ladies Night“ für eine weitere Spielzeit ins Programm genommen hat. Der Premierenvorstellung am Samstagabend war zu keinem Zeitpunkt anzumerken, dass das Stück über fünf Arbeitslose auf dem Weg zur Stripper-Truppe schon ein Jahr auf dem Buckel hat. Vielleicht hatten einige Zuschauerinnen aus der vergangenen Saison die Lehre gezogen und eine Flasche Prosecco mehr in die Tasche gesteckt. Während auf der Bühne immer mehr Hüllen fielen, strebte die Stimmung im Publikum jedenfalls immer neuen Höhepunkten entgegen. Johlen, Grölen, Pfeifen, Anfeuerungsrufe von Frauen jeden Alters und auch den gar nicht so wenigen Männern auf den Rängen – und dabei brachten die Regisseure Yvonne Grüner und Patric Sohrt mit ihrer sechsköpfigen Schauspieltruppe erneut das Kunststück fertig, zu keiner Zeit auf billiges Niveau zu fallen.

Die Inszenierung hielt den ernsten Hintergrund der Komödie von Stephen Sinclair und Anthony McCarten maßvoll, aber hinreichend präsent. Fünf arbeitslose Männer in einer Industriestadt sind es, die ihrem tristen Leben zwischen der Flucht vor Schuldeneintreibern, kaputten Ehen und der Perspektivlosigkeit von Gelegenheitsjobs entkommen wollen. Mit der Klofrau Susi (Claudia Wehnhard) als Tanzlehrerin wollen sie als Striptease-Truppe „Die wilden Stiere“ auf Erfolgskurs gehen. Dabei kämpfen sie mit Hühnerbrüsten und Hüftspeck, mit Sorgerechtsproblemen für die Kinder, mit tänzerischem Unvermögen und plötzlicher Mutlosigkeit, mit Heimlichtuerei gegenüber der Ehefrau und Starallüren.

Thomas Schmidt, der Neue im Ensemble mit Theatererfahrung von der Niederdeutschen Bühne in Rheine , spielt als selbst ernannter Manager Rolf die Wechsel vom großen, begeisterten Motivator zum von Sorgen zerfressenen Vater, der seinen Sohn nicht mehr sehen darf, sehr nachvollziehbar aus. Andreas Finke zeigt in der Rolle des Möchtegern-Machers Manni schön den Zwiespalt zwischen Fantasie und Wirklichkeit im Leben der Figur. Maximilian Rinne als Gavin gibt herrlich überzogen – und dann wieder doch nicht – den Schwulen. Als Identifikationsfigur der männlichen Zuschauer empfiehlt sich der etwas fülligere Holger Weglage in der Rolle des Gerd: schüchtern, von sich selbst zunächst nicht überzeugt, beständig zweifelnd. Fiet Krause schließlich als Boris artikuliert einen wunderbaren russischen Akzent und füllt die Rolle des Sonnenscheins in der Truppe sehr schön aus. Claudia Wehnhard als kaputte Klofrau und Tanzlehrerin Susi brilliert mit ihrer gespielten Besoffenheit.

An Spielstärke und Überzeugungskraft hat das Ensemble seit der vergangenen Saison noch einmal zugelegt, außerdem hat das Regie-Duo zusammen mit den Choreografinnen Corinna Gottschalk und Kristina Freund neue Tanzeinlagen eingearbeitet und an den Lichteffekten gefeilt. „Ladies Night“ ist ein weiteres Mal schönste Sommerunterhaltung, genau richtig platziert zwischen Brecht und Castingshows im Privat-TV. Und am Schluss, nach zweieinhalb Stunden Vorspiel, bekamen die weiblichen Zuschauer dann endlich das zu sehen, worum es auch ging: nackte Tatsachen. Nach den Klettverschluss-Schlüpfern der Männer flogen BHs auf die Bühne, Korken knallten, ein großes Gejohle hob an – Partystimmung. „Am besten sind die Weiber im Publikum“, meinte eine Freilichtbühnenbesucherin.

Nach der mit mehr als 700 Zuschauern ausverkauften Premiere ist das Stück bis zum 8. September noch zehn Mal zu sehen – und auf dem Weg zum Kultstatus.