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Viola Niepel zur Freilichtbühnen-Saison: 20 000 Besucher wären mal ’ne Hausnummer




Viola Niepel

9. März 2012

 

In der vergangenen Saison zählte die Freilichtbühne rund 17 000 Besucher. Teilweise miserables Sommerwetter und mit Brechts „Dreigroschenoper“ ein Stück, das sich nicht unbedingt an die Massen richtete, trugen zu diesem ausbaufähigen Ergebnis bei. In diesem Jahr gibt es mit „Räuber Hotzenplotz“, „Im weißen Rößl“ und „Ladies Night“ drei Stücke, die für mehr Zuschauerresonanz gut sein sollten. Bühnen-Chefin Viola Niepel träumt im Interview mit WN-Redakteur Oliver Hengst gar vom Knacken der 20 000-er-Marke.

 

Bald beginnt die neue Saison. Worauf freuen Sie sich besonders?

Viola Niepel: Ich freue mich auf alle drei Stücke. Ich glaube, wir haben dieses Jahr eine wirklich gute Auswahl. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei – bei unseren Stücken und bei den Gastspielen. Es ist jedes Jahr so: Wenn die Saison vorbei ist, ist man froh, aber wenn es wieder los geht, ist man auch froh, dass es wieder los geht.

 

Zu den Stücken: Warum noch mal „Ladies Night“? Ist das im vergangenen Jahr so gut angekommen?

Niepel: Ja. Dass wir es erneut spielen, hat aber viele Gründe. Das geschieht auf vielfachen Publikumswunsch. Es ist auch sehr erfolgreich gelaufen. Unseren Leuten hat es unheimlich viel Spaß gemacht. Und es ist natürlich auch wirtschaftlich ein Erfolg.

 

„Im weißen Rößl“ – ein Singspiel. Ist das eine besondere Herausforderung für die Darsteller?

Niepel: Zum „Weißen Rößl“ muss ich erstmal sagen: Da kennt man vor allem das, was im Fernsehen gelaufen ist, mit Peter Alexander . So ist es bei uns nicht. Wir spielen die Fassung der Geschwister Pfister aus Berlin. Die ist in der „Bar jeder Vernunft“ gelaufen. Es ist dem Zeitgeist angepasster, dem heutigen Humor angepasst. Man darf nicht Peter Alexander erwarten. Es ist alles etwas überzogen, die Charaktere sind ebenso wie das Bühnenbild überzeichnet. Und die Lieder sind Ohrwürmer. Es geht selbst unseren Darstellern, die nicht aus der Generation stammen, die damals in Kino gerannt ist, so, dass sie die Lieder im Ohr haben.

 

Sprich: Die Darsteller müssen nicht nur spielen, sondern auch singen . . .

Niepel: Wir machen schon eine ganze Weile auch etwas mit Gesang: Musicals oder im letzten Jahr Brecht . Ich glaube schon, dass unsere Leute da mittlerweile geschult sind. Und doch ist es immer wieder eine Herausforderung. Das „Weiße Rößl“ ist ein totaler Gegensatz zur „Dreigroschenoper“. Brecht und Weil – das reibt. Das „Weiße Rößl“ ist vom Gesanglichen sehr harmonisch und als Operette geschrieben. Sehr anspruchsvoll.

 

Und es gelingt immer wieder, diese Stücke zu besetzen, in denen auch gesungen werden muss?

Niepel: Ja (schmunzelt). Es gibt ja auch immer wieder einen Wechsel. In den letzten Jahren haben wir zudem einen sehr positiven Austausch mit dem „Quasi So“-Theater Ibbenbüren. Leute vom Theater kommen zu uns, Leute von uns spielen in Ibbenbüren mit. Das ist sehr positiv.

 

Zum Kinderstück: In unsteten Zeiten wie diesen freut man sich immer über Konstanten. Der „ Hotzenplotz “ ist so eine Konstante, ein echter Klassiker. Ist das bewusst so ausgewählt worden?

Niepel: Ja. Ganz klar. Es ist sehr schwierig beim Kinderstück, sich an neue Stücke heranzuwagen, weil die in den seltensten Fällen angenommen werden. Es ist immer noch so, dass die Eltern bestimmen: Wo geht es hin? Schulen und Kindergärten nehmen immer noch diese Klassiker durch und entscheiden dementsprechend. „Hotzenplotz“, „Die kleine Hexe“, „Dschungelbuch“, „Pippi Langstrumpf“, da wissen wir von Kindergärten, dass sie damit viel anfangen können. Wagt man sich an ein neues Stück – auch da gibt es viele schöne Sachen – wird das vom Publikum nicht so angenommen. Es gibt ganz tolle Stücke von Cornelia Funke: „Herr der Diebe“ ist auf Freilichtbühnen gelaufen. Oder „Die wilden Hühner“: Sehr bekannt, viel gelesen, verfilmt – aber trotzdem wird es von Freilichtbühnenpublikum nicht so angenommen. Davon abgesehen sind wir der Meinung, dass die Kinder-Klassiker immer noch zu Recht gelesen und gespielt werden.

 

Zu Recht – weil . . .

Niepel: Weil sie immer noch schön und zeitgemäß sind und für Kinder viel bieten. Es gibt meistens ein klares Gut und Böse. Es fällt leicht, einen Sympathieträger zu finden. Und es gibt meistens einen Tollpatsch, den man gern hat.

 

Wird es für Sie ein persönlichen Highlight geben?

Niepel: Das kann ich gar nicht sagen, weil in diesem Jahr alle drei Stücke klasse sind. „Hotzenplotz“, weil ich als Kind schon diese Geschichte geliebt habe. Das „Weiße Rößl“, weil es einfach ein stimmungsvolles Stück ist und wir schon beim Proben viel Spaß haben. Und „Ladies Night“, weil der Erfolg Spaß macht, aber auch weil das Anschauen immer wieder Spaß macht.

 

Das letzte Freilichtbühnen-Jahr war auch von einigen Großbaustellen geprägt. Sind die jetzt abgeschlossen?

Niepel: Mit den Großbaustellen sind wir so ziemlich durch. Im letzten Jahr sind ja das Dach saniert und die Besuchertoiletten gebaut worden. Jetzt steht nur noch in der Geschäftsstelle der Konferenzraum aus. Was noch fehlt ist der Waldausgleich und der Austausch der Micro­port-Anlage.

 

Letzterer wurde nötig, weil die Funkfrequenzen durch den Ausbau der Mobilfunknetze für Sie nicht mehr verfügbar sind. Werden Sie gleich die komplette Mikrofon-Anlage austauschen?

Niepel: Nein, das wäre finanziell gar nicht machbar. Wir werden circa 15 000 Euro investieren und die Technik damit etwa zur Hälfte ersetzen. Dadurch, dass wir dieses Jahr in allen drei Stücken relativ kleine Ensembles haben, geht das. Wir hätten ein Problem, wenn wir wieder „Anatevka“ oder etwas in dieser Größe aufführen würden. Und da wir – noch – keine Störungen haben, setzen wir natürlich darauf, dass wir, wenn es nötig sein sollte, einen Teil der alten Anlage einsetzten können.

 

Die DHL rückt der Bühne mit dem Erweiterungsbau relativ dicht „auf die Pelle“. Bringt das Einschränkungen mit sich?

Niepel: Bis auf optische hoffentlich nicht. Es ist natürlich nicht schön, dadurch rückt die Freilichtbühne doch ziemlich ins Industriegebiet rein. Ansonsten können wir das noch nicht abschätzen.

 

Gibt es ein Ziel hinsichtlich der Besucherzahlen für dieses Jahr?

Niepel: Also richtig, richtig freuen würden wir uns über 20 000. Das wäre echt mal ’ne Hausnummer. Was man realistischerweise mit den drei Stücken erreichen kann, wäre etwas um die 18 000 Besucher. Aber die 20 wären ein Highlight.



Quelle:
WN.de: Viola Niepel zur Freilichtbühnen-Saison: 20 000 Besucher wären mal ’ne Hausnummer WN.de

Interne Infos:
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