Back to Top


Eine wunderbare Moritat




Dreigroschenoper

30. Mai 2011

Brecht mag unter kommerziellen Aspekten ein Risiko sein, aber mit der grandiosen Premiere der „Dreigroschenoper“ bewies die Freilichtbühne Reckenfeld am Samstag einmal mehr ihren Qualitätsanspruch. Denn anders als andere Bühnen, die sich mit ihren ohne Zweifel gut gemachten Musical-Aufführungen manchmal allzu sehr dem Zeitgeist angepasst haben, überraschen die Reckenfelder immer wieder mit herausragenden Produktionen.

 

Das Ensemble hat sich mit der „Dreigroschenoper“ von Bertold Brecht mit der Musik von Kurt Weill einer großen Herausforderung gestellt. Die besonderen Vorgaben für die instrumentale Aufführung konnten dank der versierten musikalischen Leitung von Stephanie Rave bestens umgesetzt werden. Sie konnte als renommierte Pianistin, Sängerin und jahrelanges Mitglied des Theater Reduta ihre ganzen Erfahrungen einbringen. Ihr zur Seite hatte sie quasi ein Salonorchester mit professionellen Musikern, so dass die mit Elementen aus Jazz, Tango, Blues und Jahrmarktsmusik angereicherten Partien ihre ganze teils ironisch Wirkung zeigen konnten.

 

Die Regie war bei Klemens Hergemöller bestens aufgehoben. Er schuf in dieser Inszenierung eine packende Umsetzung des altbekannten Stoffes. In dem spartanischen und vielleicht deshalb so wirkungsvollen Bühnenbild konnte man Raum und Zeit vergessen, sich ganz von dem Geschehen auf der Bühne einfangen lassen.

 

Angeregt durch die Erfolge der „Beggar´s Opera“ von John Gay schuf Bertold Brecht zusammen mit Kurt Weill keine durchkomponierte Oper, sondern ein politisch engagiertes Theaterstück mit jeweils abgeschlossenen Gesangsnummern. Dieses Werk kann von seinem musikalisch-künstlerischen Ansatz vom Ensemble der Freilichtbühne adäquat dargeboten werden, es ist ja nicht für Opernsänger geschrieben, sondern für singende Schauspieler. Mit ihren langjährigen Erfahrungen auf diesem Gebiet können die Akteure sowohl solistisch als auch in den großen Ensemble-Szenen überzeugen.

 

Manfred Hagemann als Macheath, genannt Meckie Messer, erobert charmant jedes Frauenherz, treibt bravourös sein gewalttätiges Unwesen als führender Verbrecher im Londoner Stadtteil Soho. Toni Röhig als sein Gegenspieler Jonathan Jeremiah Peachum agiert majestätisch mit dem Habitus eines beherrschenden Bettler-Königs. Sinnlich intrigant und mit wunderbarer Stimme gesegnet erlebt man Britta Schümchen als Polly Peachum. Mit einem leichten Hang zum Alkohol zieht Viola Niepel als Celia Peachum ihre intriganten Fäden, Situationskomik vermischt sich bei ihr mit perfekt eingesetzter Dramatik. Auch Stefan Erdmann als Polizeichef wirkt als Tiger Brown wunderbar britisch trocken. Als Spelunken-Jenny kann Christina Gausemann ins Rotlicht-Milieu entführen, wo die Huren von Turnbridge so manchen Mann betören. Sebastian Horstmann hat gleich vier Rollen übernommen, wechselt mit Esprit und in markanter Weise zwischen dem Konstabler Smith, dem Pastor Kimball, dem Bettler Filch und dem Moritatensänger.

 

All die großen Lieder von der „Moritat von Meckie Messer“, der „Seeräuberjenny“, dem „Kanonensong“, der „Ballade von der sexuellen Hörigkeit“ bis zur „Zuhälterballade“ erklingen bei dieser Inszenierung der Freilichtbühne in inspirierender Art, beim grandiosen „Eifersuchtsduett“ erlebt das Publikum einen leidenschaftlich ausgefochtenen Kampf zweier Frauen um einen Mann. Fazit also nach einem spannenden Theaterabend: Mit dieser „Dreigroschenoper“ hat die Freilichtbühne einen Zugang zum Werk von Bertold Brecht geschaffen, der bewegt und dem Anspruch des Werkes mehr als gerecht wird.



Quelle:
WN.de: Eine wunderbare Moritat WN.de

Interne Infos:
Dreigroschenoper


Hat es Dir an unserer Freilichtbühne gefallen?
Gerne freuen wir uns über Dein Feedback via Facebook oder via Twitter!
Wir freuen uns ebenfalls über eine Bewertung in den Google-Suchergebnissen!

Gerne kannst Du uns auch eine eMail schreiben oder uns anrufen: eMail-Kontakt & Rufnummer

Bestelle unsere Newsletter!
Gerne informieren Dich auch über unseren kostenlosen Bühnen-Newsletter.
• Infos und Anmeldung unter: Bühnen-Newsletter


Interessanter Inhalt ...


Kennst Du schon ...
... diese Theaterstücke?
... diese Mitglieder?
... diese Videos?


Kurz-URL dieser Seite:
Gebe diese URL an Freunde & Bekannte weiter, z.B. via eMail oder in sozialen Netzwerken:
https://s.reckenfeld-freilichtbuehne.de/V0Hg5

Videos:


Link: Video zu Eine wunderbare Moritat


Galerie:

{"autoplay":"true","autoplay_speed":"3000","speed":"300","arrows":"true","dots":"false","rtl":"false"}